Die Freiräume-Preisträger:innen 2024/2025

Zeit für Knowledge Exchange und Wissenschaftskommunikation: „Open Humboldt Freiräume“ fördert 2 Professor:innen und 21 Postdoc

Die geförderten Projekte und Wissenschaftler:innen für die neue Runde der Förderlinie „Open Humboldt Freiräume“ stehen fest. Der Open Humboldt Expert:innenkreis hat eine Förderempfehlung für drei Anträge ausgesprochen. Die Universitätsleitung ist dieser Empfehlung gefolgt und fördert folgende Projekte im Sommersemester 2024 bzw. Wintersemester 2024/2025:

Projekt: Intersektionelle Politik: Zivilgesellschaftliche Organisationen von Immigrant:innen und ihr Engagement für Geflüchtete Frauen und Kinder aus der Ukraine (INTERSECT) (SoSe 2024)

Prof. Dr. Gökce Yurdakul, Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Sozialwissenschaften, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM)

Seit August 2021 ist der Verein für aktive Vielfalt (VaV) Träger des Projekts Stadtteilmütter in Neu- Hohenschönhausen. Die Frauen, die diese Organisation tragen, haben selbst Kinder und eine Fluchtgeschichte bzw. einen Migrationshintergrund. Die Stadtteilmütter sind eine von vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die von Einwander:innen gegründet wurden und Geflüchteten helfen, ein Zuhause und eine Kinderbetreuung zu finden.

INTERSECT konzentriert sich auf eine wichtige Lücke in der Forschung, insbesondere im Kontext der Herausforderungen, mit denen geflüchtete Familien konfrontiert sind. Eine Säule von INTERSECT ist das Erforschen dieser Dynamiken zwischen staatlichen Institutionen, migrantischer Zivilgesellschaft und Geflüchteten. Eine zweite betrifft die Sichtbarkeit der migrantischen Zivilgesellschaft in der Flüchtlingshilfe, insbesondere Hilfe an geflüchtete Frauen und ihre Kinder. INTERSECT wird mit verschiedenen Transferformaten die Sichtbarkeit migrantischer zivilgesellschaftlicher Flüchtlingsarbeit erhöhen, inkl. einer Bedarfs- und Potenzialanalyse der Berliner migrantischen Zivilgesellschaft für die Professionalisierung und Optimierung ihrer Flüchtlingsarbeit. So wird INTERSECT gemeinsam mit der migrantischen Zivilgesellschaft interaktive Formate konzipieren, die in die Berliner Stadtgesellschaft hineinwirken. Die intersektionelle Perspektive in meiner Forschung ermöglicht die "Pluriversität" des Wissens zu nutzen, um die Geschichten und gelebten Erfahrungen von Migrant:innen, Geflüchteten und migrantischen Communities einzubeziehen.

Projekt: Dresscode: Rechtskleider für die Zivilgesellschaft (WS 2024/25)

Prof. Dr. iur. Gregor Bachmann, LL.M., Juristische Fakultät

Zivilgesellschaftliches Engagement ist heute gefragt wie nie zuvor. Eine Voraussetzung solchen Engagements wird allerdings oft unterschätzt: Privates Engagement braucht das passende Rechtskleid, um sich wirksam entfalten zu können. Das Recht stellt hierzu eine Vielfalt kombinierbarer Organisationsformen zur Verfügung, die für den juristischen Laien indes kaum zu durchschauen sind. Die Informationsschranken sind hoch, denn verlässlicher Rechtsrat ist nur für teures Geld zu haben. Die sozialen Folgen der Unwissenheit sind beträchtlich: Geeignete Rechtsformen werden verfehlt, ziviles Engagement entfaltet nicht seine volle Kraft oder unterbleibt ganz.

Das Projekt möchte dazu beitragen, dass sich ziviles Engagement wirkmächtiger als bisher entfalten kann, indem auf einfachem Wege der Wissenszugang zu privaten Rechtsformen geschaffen wird. Ziel ist es, ein niedrigschwelliges Informationstool zu privaten Organisationsformen zu erstellen, dass auf simple Weise und kostenlos von jedem genutzt werden kann, um das passende Rechtskleid für sich zu finden. Rechtsformen, deren Potenzial nur unzureichend ausgeschöpft wird, wie insbesondere die Genossenschaft, sollen allgemein verständlich und damit zugänglicher gemacht werden. Die vielfach übersehene Lücke zwischen (frustrierender) „Selbstberatung" im Internet und (kostspieligem) Gang zu Anwalt und Notar wird geschlossen.

Projekt: Live Music meets Augmented Reality: Ästhetische Prozesse des Konzerterlebens mit digitalen Technologien bereichern (WS 2024/25)

Dr. Mats Küssner, Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft

Ziel des Projekts ist, die musikwissenschaftliche Konzertforschung, die sich mit dem Einfluss von digitalen Technologien wie virtual/augmented/mixed reality auf die Wahrnehmungserweiterung bzw. -bereicherung befasst, in die Gesellschaft zu tragen und durch ein breit angelegtes citizen science Experiment neue Impulse für Forschung und Lehre zu erhalten.

Das Live-Konzert ist ein ästhetisches Erlebnis, das all unsere Sinne stimuliert. Heutige digitale Technologien, insbesondere augmented reality (AR), bieten die Möglichkeit, dieses multimodalsensorische Erlebnis zu erweitern und zu vertiefen. Das Projekt plant eine Serie von 20 Konzerten, bei denen die Besucherinnen nicht nur Musik hören, sondern durch AR auch in sie eintauchen können. Sie erleben ein klassisches Musikstück sowohl in seiner traditionellen Form als auch in einer durch AR bereicherten Version. Neben der breiten Öffentlichkeit sind auch Schülerinnen eine Zielgruppe, die in altersgerechten Konzerten und anschließenden "School Talks" den Einfluss von digitaler Technologie auf ästhetische Prozesse am Beispiel Musik entdecken.

Am Ende des Projekts wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch eine Brücke zwischen traditionellem Musikerleben und modernster Technologie geschlagen. Die Ergebnisse des Projekts, darunter die Sammlung von Daten über das Konzerterlebnis mit AR und dessen Einfluss auf die Wahrnehmung, werden zur Weiterentwicklung musikwissenschaftlicher Forschung beitragen.

Was „Open Humboldt Freiräume“ bietet:

Die Geförderten erhalten eine Freistellung von der Lehre im Sommersemester 2024 bzw. Wintersemester 2024/25 und werden für sechs Monate beurlaubt. Aus Mitteln der Berlin University Alliance können sie Lehrvertretungen für diese Zeit einstellen.

Die neue Förderlinie Open Humboldt Freiräume wurde zum Sommersemester 2021 das erste Mal ausgeschrieben und zielt darauf ab, den Wissensaustausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Im Zentrum steht dabei die Idee, dass Forscher:innen freie Zeit brauchen, um aus der Universität heraus in den Dialog mit der Gesellschaft zu treten und Projekte im Bereich Knowledge Exchange / Transfer/ Wissenschaftskommunikation zu entwickeln.

In der neuen Förderrunde 2024/25 wurden insgesamt 17 Anträge auf Förderung eingereicht.

Weitere Informationen:

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