Kohlenstoffatom

„Hallo Leute, ich bin ein Kohlenstoffatom!“

1946 traf man diesen putzigen Gesellen in einem Werbefilm der Standard Oil Company Indiana. Er vermittelte dem geneigten US-amerikanischen Publikum jener Zeit, dass die Welt der Nachkriegs(petro)moderne aus Atomen und Molekülen besteht, in deren Zusammensetzung die industrielle Kultur eingreift: durch destillieren, cracken, auseinanderreißen, neu zusammensetzen, optimieren – eine Mobilmachung des Molekularen.

Im petrochemischen Prozess, so veranschaulichten die animierten Sequenzen der Inside Story of Modern Gasoline, werden aus "wilden, ungehobelten Gesellen" "gezähmte", "wissenschaftlich verbesserte" Moleküle. Im Laufe der Jahrzehnte sind sie unserer industriellen Kultur zu unverzichtbaren Helfern geworden. Heute befindet sich diese Partnerschaft in einer fundamentalen Krise. Angesichts der menschengemachten Klimaerwärmung wirkt das verbindungsfreudige vierarmige Männchen aus den unbeschwerten Tagen der Petromoderne eher wie ein finsterer Verbrecher. Geboten scheint also eine grundsätzliche Neubewertung des Verhältnisses zu jenen aktiven Materialien wie den künstlichen Kohlenstoffverbindungen, welche unser Zeitalter so maßgeblich bestimmen.

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